Die Evolution des Menschen und der Lunisolarzyklus
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Die Evolution des Menschen
Tage und Nächte
Die Zyklen der Himmelskörper
Informationen durch Licht
Die „Kraft“ der Information
„Es steht in den Sternen“
Die Bedeutung der Tierkreiszeichen – eine Neuinterpretation
Individuelle Biografien
Individuelle Charaktere - Spezialisierungen
Warum gerade sieben Jahre?
Was passiert nach der Geburt?
Soziale Kognition
Wie konnte das Verhalten der zweiten Lebenshälfte entstehen?
Das Puzzle zusammensetzen
Kompendium
Die Evolution des Menschen
Es ist schwer, einen sehr komplexen Zusammenhang zu erklären. Wenn man sich auf nur wenige oder gar nur einen einzelnen Punkt konzentriert, gerät man schnell in den Verdacht, sich einzubilden, man hätte den „Stein der Weisen“ gefunden. Bei manchen Autoren drängt sich einem ein solcher Verdacht auf. Ich möchte also in der zu Gebote stehenden Bescheidenheit versuchen, ein Phänomen zu erklären, das mich seit fast dreißig Jahren beschäftigt und das mich während dieser Zeit durch sehr viele verschiedene Wissensgebiete geführt hat. Ich wollte sehen, wie sich die Idee in das wissenschaftliche Weltbild einfügt und ob sich nicht irgendwo Widersprüche in dem Gesamtbild zeigen würden. Dem Leser muss ich zumuten, das Bild peu à peu in seinem Kopf selbst zusammenzusetzen, für das ich nun die einzelnen Puzzlesteine liefern werde.
Um was geht es überhaupt? Es geht um Sie und mich und all die anderen. Es geht um Menschen, um ihre Vielfalt und um die Frage, wie die Menschen auf unserem Planeten überhaupt entstehen konnten. Es geht aber nicht um die gebetsmühlenhafte Wiederholung all der Erklärungen, die bereits ganze Bibliotheken füllen. Es geht hier um einen Zusammenhang, der meinem Wissen nach bisher noch in keiner Bibliothek aufgetaucht ist.
Was wurde übersehen? Es ist ja noch gar nicht so lange her, da glaubten die Menschen, sie seien eine ganz besondere Schöpfung Gottes und hätten mit den anderen Lebewesen auf der Erde – den Tieren und Pflanzen - nichts weiter zu tun, außer, dass man sie essen kann. Seit Charles Darwin bricht diese Anschauung peu à peu zusammen und man versucht, der Evolution des Menschen auf die Spur zu kommen. Mittlerweile ist sich die Wissenschaft weitgehend darüber einig geworden, dass wir nicht die einzige Menschenart sind, die im Laufe der Zeit entstanden war. Wir sind aber die Einzige, die nicht wieder ausgestorben ist. Offenbar waren wir und auch die anderen Menschenarten in Afrika entstanden. Afrika ist der Schmelztiegel, in dem immer wieder neue Menschenarten entstanden. Dort in Afrika leben auch die etwas entfernten Verwandten von uns – Schimpansen, Bonobos, Gorillas - aber auch noch weiter entfernte Verwandte, die vielen Affen- und Halbaffenarten. Insgesamt gehören wir alle zur biologischen Ordnung der Primaten.
Es war seinerzeit empörend, als Darwin die Idee äußerte, der Mensch sei mit diesen „albernen“ Affen verwandt und sei lediglich auf einem anderen Weg der Evolution entstanden. Heute empört sich niemand mehr darüber – jedenfalls nicht in Kreisen ernst zu nehmender Wissenschaftler.
Evolution ist ein historischer Prozess, der nicht vorhersehbar ist, weil die Einflussgrößen so vielfältig sind, dass sich zu jeder Zeit viele Wege auftun. Alles hätte auch anders kommen können. Historisch rückwärts betrachtet, lässt sich der Weg der Evolution aber rekonstruieren. Man kann vielleicht nicht mit hundertprozentiger Bestimmtheit sagen, wie es exakt im Detail war, aber man kann sagen, wie es vermutlich gewesen sein könnte. Wenn dann irgendwann bisher unbekannte Befunde auftauchen, muss man das Bild vielleicht etwas verändern aber man braucht es nicht vollständig ad acta zu legen.
Bei der Rekonstruktion der Evolution des Menschen wurde bisher etwas übersehen oder zumindest von seiner Bedeutung her nicht erkannt. Das waren die unterschiedlichen Tageslängen und die jahreszeitlichen Umweltverhältnisse im äquatorialen Afrika, verglichen mit denen im Norden, wohin die Menschen auswanderten. In der Nähe des Äquators sind die Tage und Nächte stets etwa gleich lang. Es herrscht ungefähr 12 Stunden Tag und 12 Stunden Nacht. In Nordafrika und erst recht nach dem Verlassen des Kontinents variierten die Tageslängen sehr deutlich mit den Jahreszeiten. Es gab plötzlich lange Sommertage und viel kürzere Tage im Winter.
Warum ist diese Umweltveränderung von so großer Bedeutung? Wohl gemerkt, es hatte sich nichts am Planeten Erde geändert. Aber die Menschen waren in Gebiete gewandert, in denen sich die Umwelt ganz anders präsentierte, als die Menschen es vorher gewohnt waren. Hier müssen wir nun den ersten Exkurs unternehmen und erklären, welche Bedeutung Tage und Nächte für die Lebewesen haben.
Tage und Nächte
Es gibt ein Forschungsgebiet, das bisher nur sehr eingeschränkte öffentliche Aufmerksamkeit erringen konnte, das ist die Chronobiologie. Einer der Pioniere der Chronobiologie war Jürgen Aschoff, der übrigens ein Schüler des großen Verhaltensbiologen Konrad Lorenz war. Die Vorsilbe „Chrono-“ – Zeit - deutet darauf hin, dass es sich um zeitliche Phänomene handelt, denen Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Warum schlafen wir nachts und sind am Tag aktiv? Das ist ja kein Naturgesetz, denn Eulen, Fledermäuse oder Koboldmakis verhalten sich genau andersherum. Hätte denn in völliger Dunkelheit Leben entstehen können? Wir kennen Lebensformen, die in völliger Dunkelheit existieren. Sie konnten sich an dauernde Dunkelheit anpassen, hätten dort vermutlich aber nicht entstehen können. Zum Leben braucht man Energie und primäre Energiequelle ist die Strahlung der Sonne. Alle Pflanzen beziehen ihre Energie von der Sonne und betreiben zur Energiegewinnung Fotosynthese. Weil es überall auf der Erde – die Polargebiete einmal ausgenommen – den 24-stündigen Rhythmus von Helligkeit und Dunkelheit gibt, haben sich alle Pflanzen zum Zwecke ihrer Energiegewinnung an diesen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Bereits 1759 führte Johann Gottfried Zinn ein interessantes Experiment mit einer Pflanze - der Gartenbohne - durch. Die Gartenbohne hebt am Tag ihre Blätter hoch und wendet sie dem Licht der Sonne zu. In der Nacht lässt sie die Blätter wieder herabhängen. Zinn wollte wissen, ob die Pflanze auch dann noch ihre Blätter hebt und senkt, wenn sie dauerhaft in Dunkelheit gehalten wird. Es hätte ja auch sein können, dass die Pflanze erst vom Licht der Sonne zu dieser Bewegung ihrer Blätter animiert wird. Es zeigte sich, dass die Bohnenpflanze ihren Bewegungsrhythmus auch im Dauerdunkel beibehält. Seit dieser Zeit unterscheidet man exogene und endogene Rhythmen. Exogen ist der Rhythmus der Umwelt und endogen ist der im Inneren des Lebewesens tätige Rhythmus.
Nicht nur bei Pflanzen kann man exogene und endogene Rhythmen unterscheiden, sondern auch bei den Tieren und beim Menschen. Zunächst in Tierversuchen, dann aber auch mit Menschen hat man Experimente durchgeführt (übrigens der erwähnte Aschoff), um die Wirkungsweise der „inneren Uhr“ – wie der endogene Rhythmus volkstümlich auch genannt wird – aufzuklären. Ähnlich wie Zinn seine Bohnenpflanze hat man Menschen vom exogenen Tag-Nacht-Rhythmus isoliert, indem man sie eine Zeit lang in einem Bunker tief unter der Erde leben ließ. Es wurde registriert, wie die Menschen ihren Tagesablauf unter diesen isolierten Bedingungen gestalten würden. Sie hatten keine Uhr, kein Radio, keinen Fernseher, keine Tageszeitung, kein Telefon und auch keine sonstigen sozialen Kontakte in die Außenwelt. Im Ergebnis zeigte sich, dass der 24-Stunden-Rhythmus so wie bisher weiterging, aber sich peu à peu verlängerte und fast zu einem 25-Rhythmus wurde. Die „inneren Uhr“ ist also ein sehr ungenaues „Instrument“. Hätte man den Menschen im Bunker einen Fernseher gelassen, in dem um 20 Uhr die Tagesschau ausgestrahlt wird, wäre es genau bei dem üblichen 24-Stunden-Rhythmus geblieben.
Wieso gehen aber die „inneren Uhren“ der Tiere, die nicht punkt 20 Uhr die Tagesschau sehen, so genau und wie haben die Menschen früher, als sie noch nicht Fernsehen schauten und keine Armbanduhren am Handgelenk trugen, ihre „innere Uhr“ gestellt? Hierfür existiert im Gehirn ein spezielles Organ – der suprachiasmatische Nukleus – welches das von den Augen empfangene Tageslicht dazu benutzt, den endogenen Rhythmus stets mit dem exogenen Rhythmus im Gleichschritt zu halten. Die endogenen und exogenen Rhythmen werden miteinander synchronisiert. Wohl gemerkt: Diese stecknadelgroße Zellansammlung des suprachiasmatischen Nukleus‘ ist keine Uhr, sondern nur das Empfangsorgan für den äußeren Hell-Dunkel-Rhythmus von Tag und Nacht. Unser gesamter Körper stellt die „innere Uhr“ dar, wobei in uns viele verschiedene rhythmische Funktionen ablaufen, die ganz unterschiedliche Zykluszeiten besitzen. Nur der mit dem äußeren 24-Stundenrhythmus synchron laufende Zyklus ist mit der „inneren Uhr“ gemeint und heißt wissenschaftlich korrekt der circadiane Rhythmus. „Circa“ weist auf die Ungenauigkeit hin, die bei fehlender Synchronisation eintritt und „dian“ sagt uns, dass der 24-Stunden-Tag gemeint ist.
Die Zyklen der Himmelskörper
Warum hat der Tag 24 Stunden? Zunächst einmal ist die Stundeneinteilung völlig willkürlich festgelegt. Man hätte den Tag ebenso gut in irgendeine andere Zahl von Stunden einteilen können. Die Zahl 24 ist insofern recht praktikabel, weil sie durch 2, 3, 4, 6, 8 oder 12 teilbar ist. Die Zahl 12 wird später noch eine wichtige Rolle spielen. Und wie entsteht diese Zeitspanne, die wir als 24 Stunden kennen? Die Erde dreht sich in 23 Stunden und 56 Minuten einmal um ihre eigene Achse herum. Nach dieser Zeit erscheinen alle Sterne wieder am gleichen Ort am Himmel. Es interessiert uns aber nicht, wo und wann irgendein Stern steht, sondern uns interessiert, wann wo die Sonne steht. Aber warum unterscheidet sich die Sonne von den anderen Sternen in Bezug auf ihr Erscheinen am Himmel? Das ist so, weil unsere Erde noch eine weitere Drehung vollzieht, und zwar im Laufe eines Jahres um die Sonne herum. An jedem Tag läuft die Erde etwa ein Winkelgrad auf diesem Weg um die Sonne und deshalb muss sich die Erde täglich noch ein Stückchen weiter drehen, damit man die Sonne wieder am selben Ort wie am Vortag am Himmel zu sehen bekommt. Für dieses kleine Stückchen benötigt man diese 4 Minuten, die die Sterne von der Sonne unterscheiden. Astronomen unterscheiden die Sternzeit von der Sonnenzeit indem sie entweder von der siderischen oder von der synodischen Zeit sprechen. Im Folgenden soll immer nur von der synodischen Zeit die Rede sein, weil unser Leben an sich nichts mit den Sternen zu tun hat, sehr viel aber mit der Sonne.
Auf dem Weg um die Sonne herum in 365 ¼ Tagen neigt die Erde ihre schiefe Drehachse mal der Sonne zu und mal von ihr weg. Dadurch entstehen die Jahreszeiten und in äquatorialen Gebieten die Regenzeiten. In den polaren Gebieten jenseits der Polarkreise gehen Tag und Jahr ineinander über. Dieser Sonderfall soll hier aber nicht weiter erörtert werden, weil dort zunächst keine Menschen lebten.
Tage und Jahre finden ihre Ursache also zusammengefasst in der Rotation der Erde um sich selbst und in ihrer Bewegung um die Sonne herum. Die Sonne besitzt zwei Wirkungen auf die Erde. Die erste ist die starke Strahlung, die uns mit Lichtenergie versorgt. Die zweite Wirkung ist die große Massenanziehungskraft, die unsere Erde auf ihrer Bahn um die Sonne herum festhält.
Ganz in unserer Nähe befindet sich noch ein anderer massereicher Himmelskörper – das ist der Mond. Durch seine relative Nähe wirkt sich seine Massenanziehung noch deutlich stärker auf die Erde aus, als die der Sonne, was wir an den Gezeiten der Meere erkennen können.
Zweimal am Tag erlebt man an den Meeresküsten Ebbe und Flut. Warum zweimal und nicht nur einmal, so wie wir Tag und Nacht jeweils nur einmal am Tag erleben? Flut herrscht auf der mondzugewandten aber auch auf der mondabgewandten Seite der Erde. Das liegt daran, dass Erde und Mond ein Doppelsystem bilden, dessen Schwerpunkt, um den sich das System dreht, im Inneren der Erde liegt. Deshalb herrscht nicht nur Flut auf der mondzugewandten Seite infolge der Massenanziehung des Mondes, sondern infolge der Fliehkraft entsteht ein zweiter Flutberg auf der mondabgewandten Seite der Erde. Diese beiden Flutberge laufen täglich um die Erde herum, weil sich die Erde zusätzlich um ihre eigene Achse dreht. Die Gezeiten erscheinen aber nicht aller 24 Stunden - bzw. aller 12 Stunden, weil es zwei sind - sondern von Tag zu Tag um 50 Minuten später, also aller etwa 12 Stunden und 25 Minuten. Das ist so, weil der Mond von Tag zu Tag ein Stück nach Osten wandert und die Erde sich um dieses Stück noch weiterdrehen muss. Dieses zusätzliche Stück Erddrehung dauert etwa 50 Minuten.
Wer Schwierigkeiten dabei hat, sich das alles vorzustellen, der tröste sich mit dem Roman von Jules Verne „In 80 Tagen um die Welt“. Auf seiner Reise um die Erde in östliche Richtung zählte Phileas Fogg einen Tag mehr, als seine Wettpartner, die zuhause in London geblieben waren. Deshalb glaubte er, seine Wette verloren zu haben, in 80 Tagen um die Welt reisen zu können. Er hatte sie aber dieses einen Tages wegen gewonnen – das war die Pointe des Romans.
Der Mond umrundet die Erde eigentlich in etwa 27,3 Tagen (siderische Umlaufzeit). Wie schon bei der Tageslänge erläutert, ist für uns der Bezug auf die Sterne nicht von Bedeutung, sondern der Bezug zur Sonne. Deshalb ist auch beim Mond seine synodische Umlaufzeit wichtig und die ist etwa 29 ½ Tage lang – wie bereits erläutert. In dieser Zeit von 29 ½ Tagen wiederholen sich die unterschiedlich hellen Mondphasen und auch die unterschiedlich hohen Tidenhübe der Meere. Beide Erscheinungen – die Mondphasen und die Gezeiten – sind ein Gemeinschaftswerk des Mondes und der Sonne. Bei den Mondphasen liegt das daran, dass der Mond nicht selbst strahlt, sondern uns seine von der Sonne angestrahlte Seite mal mehr, mal weniger zuwendet, je nachdem in welchem Winkel die beiden Himmelkörper von der Erde aus gesehen werden. Bei den Gezeiten ist ebenfalls der Winkel zwischen der Blickrichtung zur Sonne und der zum Mond entscheidend. Mal ziehen Sonne und Mond gemeinsam in einer Richtung, mal ziehen sie quer zueinander. Deshalb gibt es mal Springtiden, das sind die sehr hohen Gezeitenhübe, und mal gibt es die Nipptiden, das sind die niedrigen Gezeitenhübe.
Sowohl Sonne als auch Mond haben also beträchtliche Wirkungen auf unsere Erde. Aber die Zeitzyklen der Bewegungen sind völlig unabhängig voneinander. Weder Tage und Jahre, noch die Mondphasen mit den Tagen oder den Jahren bilden ganzzahlige Verhältnisse miteinander. Diese Schwierigkeit bereitet nicht nur den Kalendermachern seit Menschengedenken Kopfzerbrechen. Auch die Lebewesen, die ihr Verhalten an die zyklischen Erscheinungen anpassen müssen, stehen vor diesem Problem.
Fassen wir diese Zahlen mit ihren vielen Stellen hinter dem Komma noch einmal zusammen:
o Tage dauern 24 Stunden (Künstliche Festlegung – deshalb ganzzahlig)
o Gezeiten folgen aller 24,8412 Stunden aufeinander
o Jahre bestehen aus 365,2422 Tagen
o Synodische Monate bestehen aus 29,5306 Tagen
o Jahre bestehen aus 12,3683 „echten“ Monaten (unsere 12 Monate sind eine
künstliche Festlegung)
Informationen durch Licht
Es gibt viele Gründe, sein Verhalten an die sich teilweise dramatisch ändernden Umweltverhältnisse anzupassen. Die Pflanzen sind von der Energiezufuhr des Sonnenlichts abhängig. Deshalb folgen sie für ihre Fotosynthese dem Tag-Nacht-Rhythmus. Sie folgen in Gebieten mit ausgeprägten Jahreszeiten zusätzlich den Wechseln von Sommer und Winter. Sie werfen ihr Blattwerk im Winter ab, blühen und lassen ihre Früchte zu bestimmten Jahreszeiten reifen.
Tiere haben ebenfalls ihr Verhalten an die sich ändernden Umweltverhältnisse angepasst. Wechselwarme Tiere benötigen die wärmende Strahlung der Sonne und müssen deshalb den Tag-Nacht-Rhythmus beachten. Aber auch die Tiere mit geregelter Körpertemperatur berücksichtigen die Wechsel von Tag und Nacht. Sie konnten sich allerdings entweder für tagaktives oder nachtaktives Verhalten entscheiden. Tiere beziehen ihre Energie durch Chemosynthese, indem sie energiereiche organische Kost fressen, der sie durch chemische Zerlegung die Energie entziehen. Organische Kost, wenn es pflanzliche Kost ist, steht nicht zu jeder Zeit zur Verfügung, weil die Pflanzen von der Sonnenstrahlung abhängig sind. So entstanden komplizierte Abhängigkeitsverhältnisse, die auch den Tieren ein rhythmisches Verhalten aufgezwungen haben.
Wenn Tiere nicht vom Sonnenlicht als Energielieferant abhängig sind, so nutzen sie das Sonnenlicht aber trotzdem, um ihr Verhalten an die sich ändernden ökologischen Verhältnisse anzupassen. Das Sonnenlicht hat für sie dann informativen Wert. Dass man bei Sonnenlicht besser sehen kann als in Dunkelheit, ist nicht zwingend für tagaktives Verhalten, was Fledermäuse, Eulen oder Koboldmakis hinreichend demonstrieren.
Neben der Nahrungs- und Energieaufnahme haben die Lebewesen eine zweite wichtige Aufgabe, der sie ihr Verhalten zu widmen haben. Diese Aufgabe ist die Fortpflanzung.
Fortpflanzung muss nicht unbedingt etwas mit sexuellen Handlungen zu tun haben. Wenn Pflanzen ihre Blüten in die Welt recken und ihre Pollen vom Wind oder von Insekten zu anderen Blüten tragen lassen, dann wird man das nicht als sexuellen Akt bezeichnen können. Ebenso würde ich nicht von Sexualität sprechen, wenn Weibchen ihre Eier in eine Grube ablegen und ein oder mehrere Männchen ihr Sperma darüber gießen. In beiden Fällen ist der Befruchtungserfolg aber davon abhängig, dass die weiblichen und die männlichen Fortpflanzungszellen zur gleichen Zeit am gleichen Ort zusammentreffen.
Pflanzen öffnen deshalb ihre Blüten außer zu einer bestimmten Jahreszeit oft auch zu einer bestimmten Tageszeit. Carl von Linne hat bereits 1745 aus dieser Kenntnis heraus eine hübsche Blumenuhr entworfen - ein Blumenbeet in Form einer Uhr, bei der die jeweils geöffneten Blüten die Tageszeit anzeigen.
Es gibt etliche Beispiele dafür, dass Tiere ihre Eiablagen auch von den Mondphasen abhängig machen. Als berühmtestes Beispiel wird hier immer der Palolowurm genannt. Aber auch der kalifornische Grunion - ein Ährenfisch - versenkt seine Eier bei Springflut am Strand, wo sich die Eier in den darauffolgenden Tagen ungestört von der Brandung des Meeres und geschützt vor Fressfeinden entwickeln können und die kleinen Fischchen dann bei der nächsten Springflut ins Meer schwimmen können, wenn das Wasser wieder hoch aufsteigt. Auch Pfeilschwanzkrebse handhaben ihre Fortpflanzung auf diese gezeitenabhängige Art. Ein Beispiel bei Landlebewesen ist die Nachtschwalbe. Sie hat sich nicht mit den Gezeiten der Meere auseinanderzusetzen, sondern mit dem Licht des Mondes. Sie brütet in einem Nest am Erdboden im Schutz der Dunkelheit in mondlosen Nächten und geht nach dem Schlüpfen bei Mondlicht auf die Jagd nach Futter für ihre hungrigen Küken.
Die Evolution der Eier war, wie das Beispiel der Vogeleier zeigt, von der Tendenz geprägt, unabhängig von feuchtem Milieu zu werden. Bei lebend gebärenden Tierarten bietet das Körperinnere der Mutter das feuchte Milieu, was die Eier vor dem Austrocknen schützt. Der Zyklus des Mondes spielt für diese höher entwickelten Eientwicklungen keine Rolle mehr, aber die Erbanlage für diesen Zyklus scheint noch nicht ganz verloren gegangen zu sein. Warum ähnelt sonst der Zyklus des Eisprungs der modernen Frau so sehr dem Mondzyklus? Sollte das nur Zufall sein? Ich meine, es könnte das Rudiment einer nicht mehr gebrauchten sehr alten Erbanlage sein.
Die Lebewesen orientieren ihr Verhalten also an den Zyklen ihrer Umwelt, die durch die Bewegungen der drei Himmelskörper – Sonne, Erde und Mond umeinander herum - hervorgerufen werden. Die Zeiten dieser Bewegungen sind seit Jahrmillionen fast konstant, weshalb sich entsprechende Verhaltensanpassungen an ihnen orientieren konnten. Waren zunächst die direkten Einflüsse, wie Hitze und Kälte oder Feuchte und Trockenheit für die Anpassungen bestimmend gewesen, so gewann mit der Höherentwicklung der Lebewesen das Licht der Sonne und des Mondes als zeitliche Informationsquelle an Bedeutung.
Die „Kraft“ der Information
Aus der Physik und der Chemie sind wir es gewohnt, mit Materie und Energie zu tun zu haben und wissen, welche Ursachen welche Wirkungen nach sich ziehen. In der Biologie – der Lehre vom Leben – begegnen uns „Kräfte“, deren Ursachen auf Informationen zurückgehen, ohne dass ein zwingender kausaler Zusammenhang entsteht. Informationen sind zwar an einen materiellen oder energetischen Träger gebunden – das Duftmolekül eines paarungsbereiten Schmetterlingsweibchens, die Schallwelle eines balzenden Auerhahns oder ein Blatt Papier mit einer Nachricht darauf – aber die Energie oder das Material der Information wird nicht dabei verbraucht, wenn sie eine Reaktion beim Informationsempfänger auslöst.
Die Energie für sein Verhalten stellt ein Lebewesen selbst bereit. Jedes Verhalten wird durch innere oder äußere Reize ausgelöst. Reize sind Informationen. Aber nicht alle eintreffenden Informationen werden als Auslösereize bewertet. Es muss bei Lebewesen meist ein ganzes Netzwerk von Umständen erfüllt sein, bevor eine Reaktion in Gang kommt. Setzt das Leben die physikalischen und chemischen Gesetze außer Kraft? Natürlich nicht. Aber wir sollten nicht versuchen, die Biologie zu verstehen, indem wir nach monokausalen Zusammenhängen suchen.
Die wichtigste Informationsquelle für das Zeiterleben aller Lebewesen nannte ich bereits – das Licht. Unter natürlichen Bedingungen ist das nur das Licht der Sonne am Tag und des Mondes in der Nacht, das den Lebewesen ihre Zeitorientierung bietet. Der Mensch hat zwar inzwischen mit seinen künstlichen Lichtquellen dem Mond seine nächtliche „Kraft“ ziemlich eingeschränkt, aber für die Jahrmillionen der Evolution ist das ohne Bedeutung. Die „Wirkung“ des Mondes auf die Lebewesen ist also keine unerklärbare gespenstische Kraft, sondern der Mond liefert zuverlässige Informationen über den Verlauf der Zeit. Jedes Lebewesen geht anders mit diesen Informationen um, viele ignorieren sie einfach. Deshalb sind allgemeine „Mondregeln“, wie sie in esoterischen Kreisen kursieren, Nonsens.
Ebenso ist es mit der Sonne. Wenn früh die Sonne aufgeht, beenden wir unsere Nachtruhe, putzen die Zähne und setzen uns an den Frühstückstisch. Das müssen wir aber nicht. Wir können, wenn wir das wollen, auch bis in die Puppen schlafen. Es existiert kein zwingender physikalischer Zusammenhang zwischen der Zeitinformation und dem Verhalten. Nicht die Sonne weckt uns früh auf, sondern unsere „innere Uhr“ tut das. Das Licht der Sonne liefert nur die Zeitinformation, mit der unsere „innere Uhr“ täglich kalibriert wird.
Um diesen Zusammenhang noch einmal mit einem Gleichnis zu verdeutlichen, sei an die moderne Uhrentechnik erinnert. Unsere mechanischen oder elektronischen Uhren bewegen sich aus eigener Kraft und mit einer eigenen inneren Zeitsteuerung. Manche gehen recht genau, andere muss man häufiger nachstellen. Und dann gibt es noch die Funkuhren. Diese Uhren bewegen sich an sich auch aus eigener Kraft und mit einer eigenen inneren Zeitsteuerung aber sie empfangen von einer Funkstation, die bei uns in Deutschland aus der Nähe von Frankfurt a.M. ihre Signale sendet, einmal täglich die exakte Uhrzeit und kalibrieren sich durch diese Information selbst.
Dieses „Funkuhren“-Prinzip hat die Natur bereits vor Millionen von Jahren „erfunden“ und als Kalibrierungssignal das Licht verwendet. Empfangsorgan für das Kalibrierungssignal Licht ist bei uns der suprachiasmatische Nukleus.
„Es steht in den Sternen“
Schicksalsgläubige Menschen benutzen gern den Spruch „Das steht in den Sternen“. Andere verwenden den Ausspruch eher augenzwinkernd, wohl wissend, dass dort in den Sternen gar nicht steht. Dieser Spruch verweist auf die Zukunftsvorhersagen der Astrologen, die behaupten, alles Schicksal könne man aus den Konstellationen der Sternbilder und der Planeten herauslesen. Der Wissenschaft ist durch diesen Aberglauben großer Schaden erwachsen, weil einer ernsthaften Beschäftigung mit Verhaltensanpassungen der Lebewesen an die Zyklen der Sonne und des Mondes auch sofort pauschal das Etikett des Aberglaubens und der Esoterik angehängt wird.
Deshalb möchte ich erklären, was denn wirklich „in den Sternen steht“. Sterne und Planeten können wir nur in der Nacht sehen, wenn es dunkel ist. Während Planeten ihren Ort am Himmel verändern - weshalb sie auch Wandelsterne genannt werden - behalten die Sterne ihren Ort. Sie heißen deshalb Fixsterne. Weil die Sterne sehr unregelmäßig am Himmel verteilt sind, konnte man aus ihnen bereits in grauer Vorzeit phantasievoll Sternbilder entwerfen und sich durch sie am Himmel orientieren. Bei uns auf der Nordhalbkugel können wir nur die nördlichen Sternbilder sehen. Das „Kreuz des Südens“ beispielsweise können wir von hier aus nie sehen. Im Gegensatz dazu gibt es Sternbilder, die wir in jeder Nacht sehen können, weil sie nie unter dem Horizont verschwinden, das sind die Zirkumpolarsterne. Der Große Wagen oder die Kassiopeia gehören dazu. Und dann gibt es die zwölf Sternbilder des Tierkreises. Sie liegen nahe der Ekliptik und teilen das Himmelsrund in Ost-West-Richtung in zwölf Abschnitte ein. Die Ekliptik ist die gedachte Ebene, auf der sich die Erde während ihres Laufs um die Sonne herum in einem Jahr bewegt. Nahe der Ekliptik können wir auch die Planeten wandern sehen, weil die Sonne mit ihren Planeten ungefähr eine Scheibe bildet, die wir das Sonnensystem nennen. Deshalb wandern die Planeten immer durch die Sternbilder, die auch den Tierkreis bilden.
Die Sternbilder des Tierkreises heißen Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische und stehen in dieser Reihenfolge in östlicher Richtung am Himmel. Naturgemäß können wir immer nur den Ausschnitt des Tierkreises sehen, der sich uns in der Dunkelheit der Nacht präsentiert. Deshalb läuft der sichtbare Teil des Tierkreises im Laufe eines Jahres einmal um uns herum und wir können an den jeweiligen Sternbildern erkennen, welche Jahreszeit gerade herrscht. Das können wir natürlich auch daran erkennen, ob gerade wieder Blätter an den Bäumen wachsen oder ob es zum Baden im Freien warm genug ist oder ob sich die Blätter herbstlich bunt färben oder ob alles mit Schnee bedeckt ist. Aber denken Sie an das Leben in der afrikanischen Savanne, dort gibt es solche jahreszeitlichen Zeichen nicht. Dort kann man sich gut an den Sternbildern orientieren.
Was steht also in den Sternen? Nichts weiter, als in welcher Zeit wir gerade leben. Und wieso bestimmt das unser Schicksal? Auch das ist ganz einfach, denn mit der Zeit verändern sich regelmäßig die Umweltverhältnisse und wir müssen uns mit diesen Änderungen auseinandersetzen. Das ist unser Schicksal.
Die Bedeutung der Tierkreiszeichen – eine Neuinterpretation
Wenn die Sternbilder des Tierkreises etwas über die Zeit aussagen, dann wäre es doch nicht so sehr abwegig, dass sich Menschen, die im Frühjahr geboren wurden, charakterlich von denen unterscheiden, die im Herbst geboren wurden. Diese Bedeutung für die Charaktere wurde ja von den Astrologen in die Tierkreiszeichen hineingelegt. Diese Vermutung lässt sich einfach testen, denn auf der Südhalbkugel sind Frühjahr und Herbst gegenüber der Nordhalbkugel vertauscht – also müssten Frühlingsgeborene der Nordhalbkugel den Herbstgeborenen der Südhalbkugel ähneln. Aber genau das trifft nicht zu. Entscheidend sollen die Tierkreiszeichen sein, die sich auf den beiden Halbkugeln ja nicht unterscheiden. Die Schlussfolgerung kann also nur sein, dass das alles Nonsens ist. So ist jedenfalls die allgemeine Meinung.
Wenn man der Sache aber tiefer nachspürt, dann eröffnet sich ein Bild, das ganz und gar kein Nonsens ist. Die Charaktereigenschaften, die in die Tierkreiszeichen hineininterpretiert wurden, reihen sich nämlich gerade so auf, dass sie die grundsätzlichen sozialen Bindungen in den einzelnen Lebensphasen der Menschen widerspiegeln – und zwar genau in dieser Reihenfolge und nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Das kann kein Zufall sein.
Ich will das kurz konkret beschreiben:
Jeder durchlebt nach der Geburt seine Kindheit, die nur durch das behütende Verhalten seiner Eltern überlebt werden kann. Nach etwa sieben Jahren ändert sich das Verhältnis, denn das aufwachsende Kind wird zur Schule geschickt und das Verhalten der Eltern und Lehrer zielt jetzt auf dessen Erziehung. Nach wiederum etwa sieben Jahren ändert sich das Verhältnis erneut. Der Jugendliche beginnt, eigene Entscheidungen zu treffen und folgt nicht mehr bedingungslos seinen Eltern, die das zähneknirschend zwar akzeptieren, aber sich peu à peu entfremden. Nach dieser Jugendphase ist der Mensch erwachsen geworden und bereit, zusammen mit einem Partner Kinder zu bekommen und für sie Verantwortung zu übernehmen, die dann wiederum für etwa sieben Jahre von ihren behütenden Eltern abhängig sind. Das bis dahin selbst durchlebte Schicksal bis zum Erwachsenwerden wiederholt sich von nun an in der nächsten Generation.
Folgt man dem durchschnittlich siebenjährigen Rhythmus, wobei die Abweichungen in Einzelfällen beträchtlich sein können, so sind nach den beschriebenen sechs Lebensphasen Kindheit - Aufwachsen – Jugend – Behüten – Erziehen - Entfremden etwa 42 Jahre vergangen. In jeder dieser Lebensphasen ist ein typisches Verhalten zu erkennen und das spiegelt sich in den Charakteristiken der sechs Tierkreiszeichen von Widder bis Jungfrau tendenziell wider – und zwar genau in dieser Reihenfolge. Wie ich schon sagte: Das kann kein Zufall sein.
Das Leben eines Menschen ist nach 42 Jahren nicht zu Ende. Bei Frauen ist nun bald die Menopause zu erwarten, was darauf hindeutet, dass die Natur eine weitere Fortpflanzung zu verhindern sucht. Auch Männer widmen sich nun eher nur in Ausnahmefällen dem wirklichen Zeugen von Kindern. Was ist der typische Inhalt der zweiten Lebenshälfte, die, wenn man dem siebenjährigen Schema folgt, von 42 bis 84 Jahren reicht? Können die alten Deutungen der Tierkreiszeichen weiterhelfen? In Analogie zu der Übereinstimmung mit den ersten sechs Tierkreiszeichen müssten die verbliebenen sechs Tierkreiszeichen von Waage bis Fische den Denkanstoß liefern können. Welches Verhalten der jüngeren Generation korrespondiert mit dem Verhalten der älteren Generation so, dass die Charakteristiken der Zeichen Waage, Skorpion und Schütze zu denen der Zeichen Steinbock, Wassermann und Fische passen?
Ich erkenne hierin die Funktionen des sozialen Überbaus. Denken wir hier nicht so sehr an moderne Managementstrukturen, sondern stellen wir uns vor, wie es war, als es noch keine Bücher, Hochschulen oder Internetsuchmaschinen gab. Es waren die Alten, die über langjährige Erfahrungen und breites Wissen verfügten und gewissermaßen einen Datenspeicher darstellten. Wer darin das meiste Vertrauen genoss, besaß gesellschaftliche Macht. Nur die Klügsten konnten die Verantwortung tragen, mussten diese Position aber auch erst erkämpfen und gegen Konkurrenten verteidigen.
Wie konnten diese Erfahrungen, dieses Wissen und Können in die nächste Generation gelangen? Es kommt der Tag, an dem die Verantwortung und die Macht in die nächste Generation übergehen muss. Das geht aber nicht von einem Tag zum nächsten, denn der Jüngere muss erst über lange Zeit vom Älteren lernen und für ihn und mit ihm gemeinsam gearbeitet haben. Umgekehrt muss der Ältere Vertrauen zu seinem potentiellen Nachfolger aufbauen können und ihn für fähig halten, seine Nachfolge in seinem Sinne zu übernehmen. Konkurrierendes Gedankengut muss bekämpft werden. Für diese Machtübernahmen und Machtübergaben von Generation zu Generation hat sich für die zweite Lebenshälfte eine ähnliche Verhaltensabfolge gebildet, wie sie bereits für die erste Lebenshälfte für die Generationenfolgen durch die Geburten und das Aufziehen von Kindern bestanden hat.
Die Charakteristik der Zeichen Waage, Skorpion und Schütze widerspiegeln das Verhalten eines potentiellen Nachfolgers für einen verantwortlichen Posten über einen Zeitraum von typischerweise dreimal sieben Jahren. Die zeitliche Streuung wird dabei statistisch immer größer, weil sich Abweichungen in einer Biografie von Schritt zu Schritt kumulieren.
Das loyale Verhalten dessen, der noch ganz am Anfang lediglich den Wunsch nach Macht und Verantwortung hegt, entspricht der Charakteristik des Tierkreiszeichens Waage. Dann folgt eine intensivere und kämpferische Phase im Interesse des Machterhalts dieses Duos aus dem Älteren und dem Jüngeren, was der Charakteristik des Tierkreiszeichens Skorpion entspricht. Und schließlich folgt in der dritten Phase die unumschränkte Übernahme der alleinigen Macht, die das Tierkreiszeichen Schütze charakterisiert. Auf der Seite des Älteren finden wir das typische Verhalten in der ersten Phase in der Charakteristik des Zeichens Steinbock, der zwar einen Gehilfen sucht, aber selbst noch ehrgeizig an der Macht festhält. In der mittleren Phase charakterisiert das Zeichen Wassermann das Verhalten des Älteren, der sich aus der praktischen Machtausübung zurückzieht, aber immer noch „Nachhilfeunterricht“ erteilt und dadurch Macht verleiht. Erst in der letzten Phase, in der der Machtübergang endgültig vollzogen wird, hat der Ältere alle Ansprüche aufgegeben, was sich in der Charakteristik des Tierkreiszeichens Fische widerspiegelt. Nicht selten hat der Tod bereits vollendete Tatsachen geschaffen.
Den sechs ersten Lebensphasen Kindheit - Aufwachsen – Jugend – Behüten – Erziehen - Entfremden folgen in der zweiten Lebenshälfte die sechs Lebensphasen Macht wünschen – für Macht kämpfen – Macht besitzen – an Macht festhalten – Macht verleihen – Macht aufgeben.
Auch in jeder dieser Lebensphasen ist ein typisches Verhalten zu erkennen und das spiegelt sich in den Charakteristiken der sechs Tierkreiszeichen von Waage bis Fische wider – und zwar, wie schon bei den ersten sechs Zeichen erkannt - genau in dieser Reihenfolge. Ich wiederhole es: Das kann kein Zufall sein.
Den erläuterten Zusammenhang mit dem Schlüssel-Schloss-Prinzip des Verhaltens habe ich in nachfolgender Grafik übersichtlich dargestellt, die ich das Generationenschema genannt habe. Dieses Schema ordnet den Aussagen des astrologischen Tierkreises eine neue aber nachvollziehbare und für jedermann beobachtbare Bedeutung zu.

Das Generationenschema
Individuelle Biografien
Die Neuinterpretation der Charaktere der Tierkreiszeichen und das Generationenschema zeigen, das sich das altersgerechte Verhalten eines Menschen einerseits an einer Zeitachse orientiert, andererseits aber auch von den Gelegenheiten und von den Einflüssen seines jeweiligen Sozialpartners der jüngeren oder älteren Generation abhängt. Besonders prägende Einflüsse finden dabei in der Kindheit statt, die dem Menschen Eigenschaften verleihen, die ihm zeitlebens als festes Charakteristikum anhaften. Oft korreliert diese Charakteristik deshalb mit dem Geburtstermin. Da aber auch Einflüssen der prägenden Sozialpartner - in der Regel den Eltern - eine Rolle spielen, wird diese Korrelation von unvorhersehbaren Einflüssen überlagert.
Neben diesen konstant geprägten Charakteren habe ich durch Analysen vieler Biografien bekannter Persönlichkeiten gefunden, dass es auch eine dynamische Komponente des individuellen altersabhängigen Verhaltens gibt. Hierbei tauchen wieder die ungefähr siebenjährigen Perioden auf, die bereits am Generationenschema erläutert wurden. Interessanterweise verschieben sich die Charakteristiken der typischen Lebensphasen auf der Zeitachse, ohne ihre Reihenfolge zu verändern. Dadurch entstehen auf relativ einfache Weise ganz individuelle Biografien.
Beispielsweise jemand wurde Ende August geboren, also im Zeichen der Jungfrau - wie z.B. Johann Wolfgang von Goethe, 28.08.1749. Das Tierkreiszeichen Jungfrau charakterisiert das Verhalten, wie es für Eltern typisch ist, die sich von ihrem in der Jugendzeit befindlichen Kind entfremden. Wenn jemand unter dieser inneren Verhaltensmotivation in der Kindheit geprägt wird, dann sollte daraus ein Charakter werden, dem feste menschliche Bindungen eher schwer fallen. So einer war Goethe. Dieses Charakteristikum setzt nun gewissermaßen eine Zeitmarke an den Anfang des Lebensprogramms. Alle darauffolgenden siebenjährigen Lebensphasen werden dann von dem ebenfalls siebenjährigen, aber zeitlich verschobenen Programm überlagert. Im Beispiel Goethes ist es so, als wäre sein Lebensprogramm um 35 Jahre verschoben, denn der Abschnitt „Entfremden“ ist nicht in den ersten sieben Jahren der Kindheit, sondern erst zwischen 36 und 42 Jahren „dran“. Goethe studierte zunächst Jura und wurde mit 28 Jahren geheimer Rat in Weimar und dann Leiter der Finanzkammer und Oberaufseher in einem Bergwerk. Sein innerer Antrieb war der eines Menschen, der 35 Jahre älter als er sein müsste, nämlich einer, der Macht besitzt und dann Macht festhält (Schütze, Steinbock). Dann folgt ein interessanter Wandel in Goethes Leben. Nach seinem 36. Lebensjahr begann er sich mit naturwissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Seine gesellschaftliche Stellung (Macht) wurde für ihn unwichtig. Er beschäftigte sich mit Flora und Fauna, interessierte sich für Meteorologie und die Klassik und übte Gesellschaftskritik. Im Zeichen des Wassermanns wird tendenziell solches Verhalten beschrieben. Altersgerecht (36 – 42) befand Goethe sich in der Phase des Entfremdens, aber überlagert wurde dieses Verhalten von dem um 35 Jahre verschobenen „Programmpunkt“, der jetzt im phantasievollen Wassermann, in neuer Deutung „Macht verleihen“ stand. Andere sollen sich um die Arbeit kümmern, man selbst gibt ihnen Ratschläge und beschäftigt sich derweil mit interessanteren Dingen.
Bei all diesen Betrachtungen und Deutungen bestätigt sich immer mehr die Vermutung, dass typische Verhaltensweisen ein Zeitphänomen sind. Aber Verhalten ist nicht nur dieses Zeitphänomen, denn dann könnte man Verhalten tatsächlich - zumindest in einer abstrakten, tendenziellen Form - vorhersagen. Es ist aber eher wie beim Wetter. Beim Wetter kann man genau vorhersagen, wann Sommer und wann Winter sein wird, aber man kann keine langfristigen Prognosen über die konkreten Temperaturen, Niederschläge, Windgeschwindigkeiten etc. treffen.
Individuelle Charaktere - Spezialisierungen
Dadurch, dass Menschen das ganze Jahr über zur Welt kommen können und keine bevorzugten Zeiten für ihre Geburten haben - wie es bei den meisten Tierarten der Fall ist - besitzt jeder Mensch eine ganz individuelle Phasenzuordnung zwischen seiner individuellen Biografie und den umgebenden Lichtzyklen der Sonne und des Mondes. Darüber wurde soeben berichtet. Die Folge daraus ist, dass sich ganz unterschiedliche Charaktere bilden können, weil die Lichtzyklen angeborene Auslösereize und damit verbundene Verhaltensmotivationen aktivieren. Besonders die Prägungen in der Kindheit liefern hierbei einen bedeutenden Anteil an der individuellen Charakterbildung. Was ist die Folge davon? Wenn sich die Menschen einer sozialen Gemeinschaft deutlich nach ihren Verhaltensvorlieben unterscheiden, dann führt das ganz automatisch zu Spezialisierungen. Jeder tut das, was er gern tut und deshalb gut kann. Talente entstehen also nicht dadurch, dass jemand ein bestimmtes Gen für dieses Talent besitzt, das andere nicht haben, sondern jemand entwickelt sein Talent, weil er oder sie für eine Vorliebe geprägt wurde. Da der Geburtszeitpunkt – das „Licht der Welt erblicken“ – unveränderbarer „Bestandteil“ eines Menschen ist, kann dies zu einer Fehldeutung darüber führen, was genetisch angeboren und was des Geburtszeitpunkts wegen erworben wurde.
Auch im Tierreich findet man Spezialisierungen. Beispielsweise die Honigbienen verrichten sehr unterschiedliche Spezialaufgaben. Waben bauen, Brut pflegen, „Babys“ füttern, Reinigungsarbeiten, Verteidigung des Bienenstocks gegen Feinde und natürlich das emsige Nektar sammeln. Aber es gibt dafür keine individuellen und lebenslangen Spezialisierungen, sondern alle diese Aufgaben erledigt jede Biene jeweils in einem bestimmten Alter. Die Reihenfolge aller notwendigen Arbeiten stellt das Lebensprogramm der Biene dar.
Beim Menschen ist das anders. Sein Lebensprogramm verlangt ebenfalls in jedem Altersabschnitt ein bestimmtes Verhalten, aber durch die unterschiedlichen Prägungen stellt das Reservoir seines Lebensprogramms die Motivationen für Spezialisierungen bereit. Deshalb konnte der Mensch kooperative soziale Strukturen aufbauen, die schließlich in eine geistig-kulturelle Evolution mündeten (Michael Tomasello). Menschen haben Berufe – Tiere nicht.
Warum gerade sieben Jahre?
Dass Verhalten im Tierreich ein Zeitphänomen ist, erstaunt niemanden, weil man es überall beobachten kann. Fledermäuse schlafen am Tag und jagen in der Nacht. Der Bär verschläft den ganzen Winter. Bienen verrichten unterschiedlichste Arbeiten nach einem Lebensplan. Bäume treiben im Frühling ihre Blätter aus und werfen ihr Laub im Herbst wieder ab. Die Wanderungen der Tierherden in der Serengeti folgen den Regenzeiten. Viele Tiere richten sich bei ihrer Eiablage an den Ufern der Meere nach den Gezeiten. Zugvögel überwintern im Süden und brechen im Frühling wieder zu ihren Brutgebieten im Norden auf. Alle richten sich dabei nach ihren „inneren Uhren“ und diese „Uhren“ werden mit dem Licht der Sonne und des Mondes synchronisiert. Dieses Licht informiert über den 24-Stunden-Tag, es informiert über die Jahres- oder Regenzeiten, es informiert über die Gezeiten und wann diese als Springtiden oder Nipptiden auftreten, weil das am Licht der Mondphasen ablesbar ist. Aber längere Zeiträume als ein Jahr kann man scheinbar nirgends ablesen. Wie kann dann der Mensch seine siebenjährigen Lebensabschnitte definieren?
Natürlich könnte es auch sein, dass das frei schwingende Rhythmen sind, zumal diese sieben Jahre individuell sowieso stark von diesem Mittelwert abweichen. Es gibt aber ein Indiz dafür, dass es eine Kopplung an die Umweltrhythmen gibt. Dieses Indiz stammt nun ausgerechnet auch wieder aus der Astrologie, was aber verziehen werden sollte, weil diese gedankliche Anleihe am Ende durch eine naturwissenschaftliche Erklärung gerechtfertigt wird.
Die chinesische Astrologie verwendet ein völlig anderes Beobachtungssystem als die Europäer und auch einen anderen Kalender. Bei ihnen gibt es einen 12-jährigen Zyklus, in dem bestimmte Charaktere geboren werden. Diese 12 Jahre werden ebenfalls allegorisch nach Tieren benannt, denen man bestimmte Charaktere zugeordnet hat. Diese Tiere sind Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Schwein, Ratte, Büffel, Tiger und Hase. Es kann kein Zufall sein, dass deren zugeordnete, verbal beschriebene Charaktere mit den Charakteren unseres Tierkreises exakt die gleiche Reihenfolge einnehmen. Das heißt doch, dass auch diese Reihenfolge perfekt zu dem bereits beschrieben Generationenschema passt. Im Europäischen Tierkreis werden 12 Monate, im Chinesischen Tierkreis werden 12 Jahre und in meinem Generationenschema werden 12 siebenjährige Lebensabschnitte charakterisiert.
Nun muss noch erwähnt werden, dass die Chinesen für ihre Zwecke einen sogenannten „gebundenen Mondkalender“ verwenden. Gebunden heißt, dass der Jahresanfang zwar immer auf einen Neumondtag fällt, aber der Jahresanfang durch eingefügte Schaltmonate mit dem Sonnenjahr stets in Übereinstimmung gehalten wird – also an das Sonnenjahr gebunden ist. Diese Tatsache weist darauf hin, dass die mehrjährige Orientierungsmöglichkeit von der Sonne und dem Mond gemeinsam bereitgestellt wird. Was nützt uns aber ein 12-jähriger Zyklus, wenn wir doch nach siebenjährigen Perioden suchen?
Hier muss zunächst wieder ein Exkurs in die Astronomie unternommen werden:
Das Jahr hat 365 Tage. Der synodische Monat hat 29 ½ Tage. Zwölf Monate sind also 354 Tage lang. Es bleibt eine Differenz von 11 Tagen übrig (365-354=11). Der Vollmond beispielsweise wird im kommenden Jahr – bezogen auf den Sonnenkalender - 11 Tage früher scheinen, als in diesem Jahr. Im dritten Jahr muss ein zusätzlicher Schaltmonat eingefügt werden, um mit dem Sonnenjahr Schritt zu halten. Erst in 19 Jahren scheint der Vollmond wieder genau am selben Tag, wie in diesem Jahr. Diesen 19-jährigen Zyklus nennt man Meton-Zyklus, nach dem Griechen Meton (5. Jahrhundert v. Chr.), der diesen Zyklus zwar nicht entdeckt, aber mathematisch erklärt hat. Bekannt war dieser 19-jährige Zyklus nachweislich bereits vor mindestens 4000 Jahren, vielleicht aber auch noch länger, weshalb ich ihn im Weiteren neutral als Lunisolarzyklus bezeichne. In dieser 19-jährigen Periode muss siebenmal ein Schaltmonat eingefügt werden, sodass 12 Jahre 12 Monate besitzen und 7 Jahre 13 Monate enthalten. Hier begegnet uns ein kurioser, aber sehr wichtiger Zufall, dass nämlich die Differenz zwischen den ganzen Zahlen 19 und 12 gleich 7 ist und dass ausgerechnet auch 7 zusätzliche Monate innerhalb dieser Periode eingeschoben werden müssen. Wenn man ein Mondjahr fest mit 12 Monaten definiert, dann verschieben sich diese Mondjahre in 19 Sonnenjahren um 7 Monate. Hätte der Mond eine etwas kleinere oder eine etwas größere Umlaufbahn um die Erde, würde diese - hier alles entscheidende - Zahlenübereinstimmung nicht bestehen.
Und nun zurück zu der Frage, warum denn ausgerechnet 7-jährige Perioden im Leben der Menschen so wichtig sind und warum es davon 12 verschiedene gibt.
Es gibt Tiere, die ein ebenso hohes Alter oder sogar ein noch höheres Alter als der Mensch erreichen können – beispielsweise die Galapagosschildkröte oder der Grönlandwal. Aber es gibt kein anderes Lebewesen, das eine so lange Zeit zur Verfügung hat, erwachsen zu werden, wie der Mensch. Die Ontogenese des Menschen dauert um die 20 Jahre. Wie ich bereits an dem Generationenschema erläutert habe, gliedert sich diese Zeit, erwachsen zu werden, aus sozialer Sicht in die drei grundsätzlichen Entwicklungsphasen Kindheit, Aufwachsen und Jugend. Schuleinführung, Konfirmation und Volljährigkeit sind das kulturelle Abbild dieser Lebensabschnitte. Es ist noch nicht so lange her, da wurden die Menschen auch in Deutschland nicht schon mit 18 sondern erst mit 21 Jahren offiziell volljährig und die Justiz gesteht auch heute noch den sogenannten „Heranwachsenden“ zwischen 18 und 21 Jahren zu, unter Umständen noch unter dem Jugendstrafrecht beurteilt zu werden. Solche Regelungen trifft man nicht ohne Grund.
Wenn man während der siebenjährigen Lebensphasen jeweils ein konstantes Sozialverhalten beobachten kann, dann repräsentieren diese Verhaltenseigenschaften - umgekehrt betrachtet - jeweils eine Zeitspanne von sieben Jahren. Das heißt, man kann mit diesen Eigenschaften rechnen, als seien es sieben Jahre. Das ermöglicht die Verrechnung des 19-jährigen Lunisolarzyklus‘ mit diesen individuellen sieben Jahren, die, wenn man sie subtrahiert, 12 Jahre ergeben. Diese 12 Jahre sind der Zyklus, den die Chinesen mit ihrem Tierkreis offenbar beobachtet haben. Diese Verrechnung habe ich in der Gleichung
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Obwohl diese Gleichung recht einfach aussieht, kann man sich nur sehr schwer vorstellen, was da eigentlich passiert. Auch ist nicht sofort ersichtlich, was das mit den sieben Schaltmonaten zu tun hat. Deshalb habe ich eine bewegte Simulation entworfen, bei der 19 farbige Kugeln im Kreis laufen und siebenmal auf diesem Weg ihre Farbe ändern. Es existieren 12 Farben, die dem Farbenkreis entnommen sind und auch in dieser Reihenfolge aufgereiht sind. Die Farbänderungen vollziehen sie immer dann, wenn die Kugeln einem der sieben Schaltmonate begegnen. Dadurch wird dann auch klar, dass die Schaltmonate die auslösenden Momente sind, in denen gewissermaßen ein „inneres Uhrenrädchen“ weitergedreht wird. 12 Schritte eines 12-teiligen „Rädchens“ führen zum Ausgangspunkt zurück – ein 13. Schritt nicht.
Man hat zwei Beobachtungsmöglichkeiten für die Betrachtung der Simulation. Bei der ersten verfolgt man eine bestimmte Kugel, die alle Menschen eines bestimmten Geburtsjahrganges symbolisiert, und sieht, wie die Farbe - das besagte „innere Uhrenrädchen“ - während jedem 19-jährigen Umlauf siebenmal weiterschaltet.
Bei der zweiten Betrachtungsweise beobachtet man an einem festen Punkt das Vorüberziehen der Kugeln und sieht, dass sich die 12 Farben nach 12 Jahren wiederholen – quod erat demonstrandum - was zu beweisen war!
(Die bewegte Simulation findet man im Internet auf der Adresse www.lunisolarzyklus.de/index.php/Simulation)
Was passiert nach der Geburt?
Nachdem nun ein Modell entstanden ist, dass sich ausschließlich auf naturwissenschaftliche Grundlagen stützt, kann man die astrologische Ideengeschichte getrost zu den Akten legen. Als „Dank“ an die Ideengeberin ‚Astrologie‘ kann man bestätigen, dass ein paar wenige Körnchen Wahrheit am Tierkreis sind, im Großen und Ganzen diese ganze Kaffeesatzleserei der Astrologie aber Nonsens ist. Insbesondere vernachlässigt die Astrologie die sozialen Einflüsse, die mit im System stecken und deshalb keine seriösen Vorhersagen möglich sind.
Bevor ich auf diese sozialen Einflüsse zu sprechen komme, möchte ich das eben erläuterte Simulationsmodell noch einmal in Erinnerung rufen. Es zeigte, dass der 19-jährige Lunisolarzyklus aller 12 Jahre typische Charaktere hervorbringen kann, wenn diese Charaktere Lebensabschnitte widerspiegeln, die im statistischen Mittel sieben Jahre lang sind. Wenn ein Mensch zu einer bestimmten Zeit zur Welt kommt, dann springt er gewissermaßen auf dieses Kugelkarussell auf und trifft dort auf Menschen verschiedenen Alters und „Färbung“, mit denen zusammen er sich sozialisiert und so – in den Kategorien des Modells gesprochen – eine Anfangsfarbe annimmt. Die Zeitgeber Sonne und Mond können das allein nicht bewerkstelligen. Das geht nur im sozialen Kontext der Generationen.
Auf diese sozialen Einflüsse muss ich jetzt zu sprechen kommen, wenn es um die Frage geht, was eigentlich nach der Geburt eines Menschen passiert.
Der Geburtszeitpunkt eines Menschen definiert die Phasenlage seiner persönlichen Biografie gegenüber den umgebenden Lichtzyklen. Von dem Moment an, an dem das Baby - im wahrsten Sinne des Wortes - das Licht der Welt erblickt, verbindet sein Gehirn von da an ganz automatisch sämtliche Wahrnehmungen auch mit der gerade herrschenden Lichtsituation. Seine sich ausdifferenzierenden Gehirninhalte nehmen dadurch automatisch und völlig unbewusst eine Struktur an, die mehrere Zeitebenen widerspiegelt. Da sind zunächst die Hell-Dunkel-Wechsel im Rhythmus des 24-Stunden-Tages. Im natürlichen Normalfall, wenn nicht dauerhaft Kunstlicht stört, wird es auch das Licht der Mondphasen in der Nacht wahrnehmen. Die Mondphasen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Helligkeit, sondern auch in ihrer Phasenlage zum 24-Stunden-Tag, denn zunehmender Mond scheint am Abendhimmel, während abnehmender Mond am Morgenhimmel leuchtet. Es folgen die Variationen der Helligkeit im Rhythmus der Jahreszeiten – der Sommer bietet mehr Licht als der Winter.
Vor dem Hintergrund dieser sich sukzessiv immer fester ordnenden Zeitstruktur seines Gehirns beobachtet das Kind seine soziale Umwelt. Hier passieren alle möglichen Dinge, aber nicht alle zufälligen Dinge passen in diese Zeitstruktur. Nur was sich in regelmäßigen Rhythmen wiederholt, passt in diese Zeitstruktur. Wir müssen bedenken, dass ein Gehirn dadurch lernt, dass es gleiche Dinge wiederholt gleichzeitig wahrnimmt (Hebb’sche Lernregel) und dadurch Kategorien bildet. Alles was in diese Zeitstruktur passt, formt sich zu einem Gesamtbild. Weil jeder Mensch zu einer anderen Zeit geboren wird und jeden die Lichtzyklen deshalb in einer anderen Phasenlage erreichen, wird jeder ein anders strukturiertes Gesamtbild in seinem Gehirn entwickeln - selbst dann, wenn er exakt dasselbe erleben würde, wie ein anderer. Diese ersten Strukturen bilden die Grundlage für das weitere Leben und werden ständig weiter ausgebaut. Im Geburtsmoment selbst passiert nichts Entscheidendes, sondern der Geburtszeitpunkt definiert das Phasenverhältnis der eigenen Biografie zu den umgebenden Lichtzyklen ein für allemal und für das ganze weitere Leben.
Soziale Kognition
Neuronal gesehen kommt Kognition immer dann zustande, wenn mehrere Gehirnareale gleichzeitig „feuern“. Das ist hirnphysiologisch begründet und soll hier nicht weiter erklärt, sondern nur als wichtiger Fakt erwähnt werden. Das ergibt sich aus der Hebb’schen Lernregel - Neurons wire together if they fire together. Der Mensch hat viel Zeit zur Verfügung, die verschiedenen Menschen seiner sozialen Umwelt kennen zu lernen. Wie bereits erläutert, ordnet das Gehirn alle seine Wahrnehmungen automatisch auch in seine verschiedenen Zeitebenen ein. (Diese Zeitebenen sind natürlich nur ein Modell. Es sind keine physisch abgegrenzten Bereiche.)
Wenn man die Menschen seiner sozialen Umwelt beobachtet, dann nimmt man die verschiedenen Altersklassen mit ihren verschiedenen Verhaltensweisen wahr. Und so wie man sich selbst im Laufe der Jahre wandelt, so beobachtet man auch Wandlungen an den anderen Menschen.
Und nun kommt der alles entscheidende Punkt: Weil diese Wandlungen der Lebensphasen bei allen Menschen im statistischen Mittel in Schritten von sieben Jahren geschehen, ordnen sich diese sozialen Beobachtungen im Gehirn so ein, dass sie regelmäßig und immer wieder mit dem 19-jährigen Lunisolarzyklus nach der bereits erklärten Gleichung
Wie konnte das Verhalten der zweiten Lebenshälfte entstehen?
Ein Bewusstsein seiner selbst können auch Schimpansen oder Delfine entwickeln. Sie können sich selbst beispielsweise in einem Spiegel erkennen. Bewusstsein kann nicht allein der Grund dafür sein, dass Menschen einen Drang verspüren, ihre Erfahrungen und ihr Wissen anderen mitzuteilen. Obendrein bestehen Menschen nachdrücklich darauf, dass nach ihren Ideen und ihren Anweisungen gehandelt wird und sie bekämpfen konkurrierendes Gedankengut. Kein Tier führt einen Krieg im Namen einer Religion oder Ideologie oder streitet sich über philosophische Ansichten.
Im Tierreich findet man zwar auch erbitterte Kämpfe. Da streitet man sich aber entweder um Futter oder um Reviere und einen Geschlechtspartner. Um Futter kämpfen Menschen auch, um Reviere und Sexualpartner ebenfalls und nun auch noch darum, wer Recht oder Unrecht hat. Recht hat, wer Macht hat. Aus dem Tierreich kennt man zwar auch Machtkämpfe - Rivalenkämpfe - aber da geht es um das Vorrecht, möglichst viele Weibchen zu begatten.
Irgendetwas muss auch die zweite Lebenshälfte des Menschen mit der Fortpflanzung zu tun haben, denn sonst würde die zeitliche Abfolge der Lebensphasen der zweiten Lebenshälfte nicht so deutlich den Lebensphasen der ersten Lebenshälfte ähneln, bei der es ja ganz offensichtlich um die genetische Fortpflanzung und die Aufzucht der Kinder geht.
Warum sollte der Mensch daran interessiert sein, seine Erfahrungen und sein Wissen in die nächste Generation fortzupflanzen? Dass Kinder von ihren Eltern etwas durch Nachahmung lernen, das kann man auch bei den Tieren beobachten. Da liegt das Interesse und der Antrieb beim Kind - und das ist ein rein egoistischer Antrieb, getreu dem Motto der „egoistischen Gene“ (Richard Dawkins). Aber nie bilden Tiereltern ihre Kinder aktiv und zielgerichtet aus - das tut nur der Mensch.
Ein solch kompliziertes Verhalten eher geistiger Art kann nicht durch Zufall und obendrein ziemlich plötzlich entstanden sein. Es kann nur so gewesen sein, dass sich ein bereits vorhandenes Programm für eine neue Verwendung umgewandelt hat. Zwar bietet sich das Sexualverhalten hier als Idee an, aber wenn sich das Sexualverhalten umgewandelt hätte, dann wäre es nun verschwunden. Das kann aber wohl kaum einer bestätigen und es ist ja auch nicht so.
Aber es gibt tatsächlich ein Szenario, das diese Umwandlung des Sexualtriebs in einen geistigen Trieb ermöglicht.
Deshalb zunächst ein kurzer Exkurs zu den Katzen:
Bekanntlich stammen unsere Hauskatzen von der afrikanischen Falb-Katze ab und werden zweimal im Jahr „rollig“. Im Gegensatz dazu wirft die bei uns beheimatete Wildkatze nur einmal im Jahr Junge, so wie wir es auch von vielen anderen bei uns beheimateten Tierarten kennen. Das afrikanische Erbe der Hauskatzen, auch noch einmal im Herbst Junge zu gebären, konnte erhalten bleiben, weil die Jungen meistens in den warmen Stuben der Menschen überleben konnten. Diese Chance hat die Wildkatze nicht und bekommt deshalb nur einmal im Jahr Babys.
Wir können also feststellen, dass afrikanische Verhältnisse, mit ihren zwei annähernd gleichen Jahreshälften auch zweimal den Sexualtrieb aktivieren – im Norden geschieht das nur einmal.
Übertragen wir diese Erkenntnis auf die Menschen, die ebenfalls aus Afrika kamen und dabei auf jahreszeitliche Verhältnisse trafen, so könnte sich einer der beiden irgendwo im Erbgut versteckten Sexualtriebe in den gesuchten geistigen Antrieb umgewandelt haben, inklusive der dazu gehörenden zeitlichen Auslösereize. Den Wonnemonat Mai wird es in Afrika nicht gegeben haben. Das klingt alles etwas praxisfremd, denn die Frauen sind bekanntlich jeden Monat empfängnisbereit. Aber irgendwann in grauer Vorzeit, als die Vor-Vor-Vor-Vor-Fahren der Menschen lebten, muss das wohl anders gewesen sein. Und – wie wir wissen – vergisst das Erbgut nichts.
Wie könnte dieses Szenario praktisch abgelaufen sein? Hier kann man natürlich nur spekulieren. Das Problem dabei ist, dass der Evolution nicht sehr viel Zeit zur Verfügung stand. Die Auswanderung unserer Vorfahren fand erst vor etwa 80.000 Jahren statt. Anfangs hatte ich mit dem Effekt der „springenden Gene“ spekuliert, den Barbara McClintock an Maispflanzen entdeckt hatte. Sie wurde zunächst für völlig verrückt gehalten und später bekam sie den Nobelpreis für ihre Entdeckungen. Aber es scheint wohl etwas gewagt zu sein, Menschen mit Maispflanzen zu vergleichen.
Meine Lieblingstheorie ist jetzt ein Vermischungsszenario mit Neandertalern, das im Nahen Osten hätte stattgefunden haben können. Dort lebten nachweislich Neandertaler und afrikanische Neumenschen lange Zeit gemeinsam. Der Neandertaler hatte sich über Jahrhunderttausende bereits an nordische, jahreszeitliche Verhältnisse angepasst, während die afrikanischen Neumenschen noch ihre afrikanischen Zeitstrukturen verinnerlicht hatten. Entsprechend der Forschungsergebnisse von Svante Pääbo und seinem Team in Leipzig, tragen moderne Menschen einen kleinen Teil Erbgut des Neandertalers in sich. Interessanterweise trifft das aber nicht für die Menschen in Afrika zu, die südlich der Sahara leben. Frühere Untersuchungen desselben Teams am Erbgut der Mitochondrien, das immer nur über die weibliche Linie weitergegeben wird, konnten keine Beteiligung der Neandertaler nachweisen. Das heißt doch, dass es Neandertalermänner gewesen sein müssen, die aus Afrika stammende Frauen geschwängert hatten. Es ist obendrein aus anderen Untersuchungen bekannt, dass nur sehr wenige Frauen unsere Stammmütter waren (Bryan Sykes: Die sieben Töchter Evas). Wenn es also gelegentlich – freiwillig oder auch nicht – Sexualkontakte zwischen den beiden Menschenarten gegeben hat, und die daraus entstandenen Nachkommen über diese vorteilhaften Eigenschaften verfügten, die den modernen Menschen auszeichnen, dann wären wir alle die Nachkommen dieser Mischlinge. Alle „reinrassigen“ Vorfahren wären ausgestorben. Diese Hypothese hat nur einen Haken, die Afrikaner südlich der Sahara sind auch Menschen, wenngleich eine gewisse zivilisatorische Unterentwicklung dort nicht zu übersehen ist.
Eine sehr plausible Erklärung, wie Menschen mit geistigen Fähigkeiten entstehen konnten, hat Geoffrey F. Miller in seinem Buch „Die sexuelle Evolution – Partnerwahl und die Entstehung des Geistes“ entwickelt. Aber warum es bei den seinerzeit aus Äquatorialafrika ausgewanderten Menschen plötzlich zu einer regelrechten geistig-kulturellen Explosion gekommen ist, das kann seine Theorie nicht erklären. Hier schließt sich meine Theorie von der Synchronisation des sozialen Verhaltens durch den Lunisolarzyklus an. Wie gesagt, den „Stein der Weisen“ gibt es nicht – es sind viele.
Das Puzzle zusammensetzen
Ich hatte am Anfang den Leser gewarnt, dass ich zwar die Puzzlesteine für ein Bild liefern werde, dass ihm aber zugemutet werden wird, das Bild selbst in seinem Kopf zusammensetzen zu müssen. Leider kann ich ihm das nicht abnehmen. Alle wichtigen Fakten und Erkenntnisse habe ich in einem kurzen Kompendium nochmals ohne Erläuterungen aufgeführt. Möglicherweise hilft das dem Leser, alles bisher Gelesene nochmals revuepassieren zu lassen und das Puzzle dann als vollständiges Bild wahrzunehmen.
Kompendium
Die Bedeutung des Lunisolarzyklus‘ für die Evolution des Menschen
Eine Zusammenfassung der Fakten und Erkenntnisse
Der Ursprung des irdischen Zeiterlebens liegt in den Drehungen der Erde um sich selbst, der Erde um die Sonne sowie des Mondes um die Erde. Tage, Gezeiten und Jahre werden dadurch verursacht. Neben diesen drei Bewegungen ist die Schrägstellung der Erdachse gegenüber der Ekliptik eine notwendige Voraussetzung für die Zykluswirkungen (Die Präzession der Erdachse wird wegen der sehr langen Dauer im hier betrachteten Zusammenhang vernachlässigt).
Anders als diese genannten drei Zyklen sind sowohl die variierende gravitative als auch die variierende beleuchtende Wirkung des Mondes von seiner Winkelstellung gegenüber der Sonne abhängig. Deshalb sind die monatlichen Variationen der Gezeitenhübe (Spring- und Nipptiden) und die verschieden hellen Mondphasen (synodischer Monat) die Wirkungen dieses vierten Zyklus‘, die gewissermaßen ein Gemeinschaftswerk von Sonne und Mond sind.
Das Sonnenjahr (365 Tage) und das 12-teilige Mondjahr (354 Tage) sind nur unter Beachtung des 19-jährigen Lunisolarzyklus‘ (Metonischer Zyklus) vergleichbar (kommensurabel). Dieser fünfte Zyklus ist ebenfalls ein Gemeinschaftswerk von Sonne und Mond.
Alle Zyklen können von Lebewesen nur ganzzahlig erlebt werden, wodurch das Problem der Kommensurabilität entsteht. Diese Schwierigkeit wurde in den verschiedenen Kalendersystemen durch Schalttage oder Schaltmonate gelöst. Die Lebewesen haben offenbar unbewusste Anpassungsformen gefunden.
Die Evolution des Lebens ist ein Zufallsprozess in Wechselwirkung mit den abiotischen, biotischen und sozialen Umweltbedingungen. Zufälle treten im Einzelnen unvorhersehbar, in großer Zahl jedoch mit berechenbaren Verteilungswerten und einem Mittelwert auf. Deshalb enthält das Erbmaterial der Lebewesen das Ergebnis von Mittelwertbildungen - den Genotyp - während sich die Einzelwesen auch unter den Einflüssen individueller Zufälle als Phänotypen entwickeln.
Erfolgreiche Anpassungen des zyklischen Wachstums und Verhaltens der Lebewesen an die Umgebungsrhythmen werden genetisch gespeichert. Hierbei wirken sowohl die Umwelteinflüsse als auch die Evolution des Genotyps als Massenerscheinungen mit ihren statistischen Mittelwerten.
Bei der Entstehung des Lebens war die Strahlung der Sonne zunächst einziger Energielieferant. Deshalb wirkt das Licht auch als die ursprünglichste angeborene Orientierung für rhythmische Anpassungsformen aller Lebewesen. Das Licht setzt die zyklusbestimmenden Auslösereize und Motivationen für angeborene Reaktionen und Verhaltensweisen der Lebewesen. Es synchronisiert die exogenen mit den endogenen Rhythmen.
Länger werdende Entwicklungszeiten, welche durch die zunehmende Komplexität der Lebewesen bedingt waren, haben schrittweise die länger dauernden Zyklen von Sonne und Mond in ihr Verhaltensprogramm aufgenommen. Jahres- und Mondphasenzyklen lösen einzeln oder gemeinsam auch das generative Fortpflanzungsverhalten aus.
Komplexe Auslösereize und Motivationen formieren sich durch die spezifische Funktionsweise des Zentralnervensystems. Neuronale Netzwerke wachsen infolge der wiederholten Gleichzeitigkeit von Nervenreizungen (Hebb’sche Lernregel). Angeborene Auslösereize sind ebenfalls in neuronalen Netzwerken gespeichert, die durch genetische Wachstumssteuerungen entstanden. Sie bilden die Wurzel des nachfolgenden individuellen Netzwachstums (Synaptogenese).
Menschliche Biografien zeichnen sich durch ihren sozialen Verlauf aus. Neben der generativen Fortpflanzung treten beim Menschen Motivationen zur Verbreitung seines kulturellen Erbes hinzu. Dies geschieht auf der Basis von Machtstrukturen. Der angeborene Antrieb zur generativen Fortpflanzung erfuhr beim Menschen ein modifiziertes Aufleben dieses Antriebes besonders in der zweiten Lebenshälfte zur Verbreitung seiner Erfahrungen, seines Wissens und damit seiner Kultur. Die neuartigen und zwanghaften Motivationen der zweiten Lebenshälfte entstanden vermutlich, als sich Menschen aus der äquatorialen Zone Afrikas mit ihren zwei gleichen Jahreshälften in Gebiete ausbreiteten, wo die Lichtrhythmen im Jahresverlauf unsymmetrisch waren.
Der menschlichen Biografie liegen 12 angeborene Verhaltenskomplexe zugrunde, die sich zeitlich an der sehr langen Ontogenese der Nachkommen orientieren. Die im statistischen Mittel 7-jährigen Entwicklungsschritte der Kinder fordern die Fortsetzung von dazu angepasstem 7-jährigem Verhalten der Erwachsenen nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Das zeigt das grafisch dargestellte Generationenschema:

Das Generationenschema
Die Evolution des Verhaltens orientierte sich stets sowohl an den Auslösereizen des Lichts als auch an weiteren relevanten Auslösereizen der Umwelt. War ursprünglich nur das Licht Rhythmusgeber, so verlagerten sich die Prioritäten der Auslösereize mit zunehmender Komplexität der Ökosysteme hin zu anderen Wahrnehmungen der Umwelt. Beim Menschen wurden schließlich auch soziale und kulturelle Lebensformen zum Schrittmacher des Verhaltens.
Mit Erreichen von mittleren 7-jährigen Entwicklungsschritten während der Ontogenese des Menschen trat Kommensurabilität zu den Lichtrhythmen von Sonne und Mond ein. Indem sich die Zeitzyklen der Tage, Gezeiten, Lunationen und Jahre, ergänzt um die letzte noch mögliche Zeitkombination - die des Lunisolarzyklus’ zu einem fünften Zeitgeber - im menschlichen Sozialverhalten widerspiegeln konnten, war nicht nur die Chance, sondern nun auch ein als Zwang empfundener innerer Antrieb zur kulturellen Evolution entstanden.
Dieser lunisolare Zeitgeber wirkte im Unterschied zu allen bisherigen Reiz-Reaktions-Mustern der Lebewesen nicht allein durch ihre individuelle Auseinandersetzung mit der Umwelt, sondern durch die relative Ausrichtung des eigenen Verhaltens am Verhalten der Sozialpartner. Soziale Kognition und ein biografisches Bewusstsein waren entstanden. Menschen entwickelten sich von da an gewissermaßen im Gleichschritt.
Die Vergleichbarkeit (Kommensurabilität) der Zyklen entstand durch das Verhältnis der ganzen Zahlen 19, 12 und 7 zueinander, weil 19=7+12 ist. Dem 19-jährigen Lunisolarzyklus laufen statistisch gemittelte Circa-7-Jahreszyklen der Individualentwicklung jedes Menschen parallel, wodurch sich 12-jährige Verhaltenszyklen der Sozietät ergeben. Symbolisch dargestellt lautet der Sachverhalt:
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Indem alle vollständigen Zyklen eine 12-teilige Verhaltensstruktur nach sich zogen, erfüllt nun auch dieser soziale Zyklus die Forderung nach 12-Teiligkeit. Die statistisch gemittelten Zeiten bleiben dauerhaft erhalten, weil die Verhaltensreaktionen an die Elemente des zeitbestimmenden Lunisolarzyklus’ als motivierende Auslösereize angekoppelt sind.
Das Fortschreiten der 7-jährigen Individualentwicklung korrespondiert mit der 7-maligen Zyklusverschiebung der 7 zusätzlichen Lunationen während des 19-jährigen Lunisolarzyklus’. Dem Zufall, dass hier wieder die ganze Zahl Sieben auftritt, ist es zu verdanken, dass sich alle beteiligten Zyklen regelmäßig und dauerhaft synchronisieren können.
Zur Bewältigung des permanent anwachsenden Wissens durch aktive Belehrungen, Überlassungen vergegenständlichter Erfahrungen (Kulturgüter) sowie kumulative Hinzufügungen eigener Lebensleistungen, werden individuelle Spezialisierungen im sozialen Verband herausgefordert. Durch Prägung vielfältiger Charaktere unter dem Einfluss unterschiedlicher Konditionierungsphasen der Lichtrhythmen werden differenzierte Eignungen und Motivationen für Spezialisierungen bereitgestellt. Dies geschieht durch phasenversetzte Anfangsaktivierung einer der latent angeborenen zwölf Lebensabschnittsmotivationen (siehe Generationenschema). Nachfolgend entwickeln sich dann jeweils individuelle Biografien.
Mit zunehmend zivilisatorisch zeitstrukturierter Lebensweise der Menschen (Sonnenkalender, Wochenrhythmus) und der Anwendung von Kunstlicht in der Nacht werden die natürlichen Auslösereize für angeborene Verhaltensweisen verdrängt. Deshalb blieben als Beleg für die vorgestellte Theorie des sozialen und kulturellen Rhythmus‘ der Menschen lediglich die Effekte, die kurze Zeit nach der Geburt noch unverfälscht charakterbildend Einfluss nehmen. Als Erklärung für die einzigartige Entstehungsgeschichte des Menschen während der Evolution sollte dies neben historischen Überlieferungen trotzdem als Beleg genügen.